Montag, 12. Juni 2017

TiB – TiB 2017

Noch immer spüre ich das Boot wanken, nachdem wir unsere kleine Spritztour zu unserem Partnerverein TiB in Spandau/Tiefwerder unternommen haben. Ich war nun zum ersten Mal dabei und bin höchstbegeistert von dieser Fahrt!
Nicht nur das Wetter war ein Traum und die Fahrt quer durch die Stadt, sondern auch die wunderbare Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wurde, als wir ankamen.
Nachdem sich bis kurz vor Antritt der Fahrt viel zu Wenige gefunden hatten, um diese stattfinden zu lassen, erfuhr ich drei Tage vorher, dass wir doch einen 5+ zusammengestellt bekommen hatten.

Tag 1: 
In kleiner, aber feiner Runde sammelten wir uns also am Samstag in der Frühe, um mit Sack und Pack ge’n Westen aufzubrechen. Heiko, und sicherlich viele andere Ruderkollegen auch, sahen uns mit Tränen in den Augen hinterher, und wünschten sich mit uns auf die „weite und gefährliche Reise“ zu gehen. Unsere feine Runde war glücklicherweise eine gesunde Mischung aus Erfahrung, sowie junger frischer Energie. Hierbei waren die Erfahrenen unter uns der Fahrtenleiter Udo, die nach einem Jahr Ruderruhe wiedergekehrte Claudia, der einzig wahre Helge und der eiserne Gast Peter und die Frischlinge ich und Berni, die wir erst letztes Jahr der TiB beigetreten sind. Dies hatte so denn zur Folge, dass wir eine repräsentative Gruppe darstellten, bereit uns mit gebündeltem Wissen unseren entfernten Kollegen zu stellen.



alberner Udo

verdiente Pause

Urbanhafen - X-Berg

Die Fahrt selbst durchlief diverse Schleusen, die alle durchaus reibungslos schleusten, sodass wir frei weg durch die Kanäle schippern konnten. Erste Haltestelle: „Urbanhafen“, wo der Bierhaushalt auf Limit gehalten wurde. „Jubel – Jubel!“, „TiB, TiB – Hurra!“, ging es durch diverse Brücken, vorbei am Technikmuseum, der Philharmonie und anderen Bäumen, Enten und Grüßenden, wie nicht grüßenden Menschen. Immer wieder holten uns die gleichen Kanuten ein, die wir aber nach unserer zweiten Pause bei „Caprivi“ abwimmeln konnten.


Claudi hat ihren Spaß

Tiergartenschleuse - rappelvoll

Caprivibrücke  - letzte Etappe

Nun änderte sich die Landschaft und es enturbanisierte sich die ganze Gegend. Diese wurde zusehenst grüner, aber auch industrialisierter. Vorbei an Fäkalien-Schiffanlegestellen, Ölfilmen und einer Kohlefabrik mündete die Spree letztlich in der Havel, wo uns ein Spandauer Volksfest begrüßte. Nun schaukelte unser Boot nur noch eine viertel Stunde vor sich her bis wir am zweiten Heimathafen der TiB anlegten.


Festtafel - alles schon weggeputzt ;-)

Boote geparkt

geschmückter Baum und Baumhaus

Bootshaus Tiefwerder

Sauna

Begrüßt von einer langen Tafel gefüllt mit diversen Kuchenspezialitäten, Kaffee und vor allem größter Gastfreundschaft konnten wir nun entspannt in das Abendprogramm übergehen. Hierbei wurde nicht nur unglaublich viel getrunken, sondern auch großartig aufgetischt. Weiteren Besuch bekamen wir durch den Oranienburger Wassersportverein und den russischen Saunafreunden der TiB Spandau. Es wurde gequatscht, gelacht, beratschlagt, berichtet und aufgetischt, aufgefüllt und leer gemacht. Später wurde sogar eine Feuerschale entfacht, was den Abend gemütlich beenden sollte.


klönen 

Romantique


Tag 2: 
„Wer spät ins Bett geht, kann auch früh aufstehen!“, tönte es aus dem Nebenzimmer und wir sprangen direkt ins Wasser, um wach zu werden. Einfach unglaublich, wie unsere Freunde nochmal loslegten und ein wunderbares Frühstück für uns auf die Beine stellten! Und nun war auch schon der Moment, um Abschied zu nehmen, gekommen. Wieder durch die Stadt, diesmal aber in sengender Hitze, unterbrochen von diversen Fähren, die uns entgegenkamen, sowie sehr belebtem Wasser, ging es zurück nach Oberspree. 


chillen at Caprivibrücke

mitten inna Stadt

Technikmuseum


Diese Fahrt war wirklich ein Träumchen und ich würde mich sehr freuen, wenn wir noch dieses Jahr in größerer Runde dorthin führen. Auch den Teltower Kanal möchte ich in seiner Grausamkeit und Unberechenbarkeit erleben! Aber vor allem würde ich mich riesig freuen, wenn auch die Spandauer uns besuchen kommen! (die Claudia kann nämlich auch sehr gut kochen und möchte diese Künste immer gerne unter Beweis stellen 😉 ). Überhaupt sollten Besuche auf Gegenseitigkeit beruhen und mit ner juten Planung kriegen wa dit schonn jebacken. War `ne klasse Tour. Ick freu mir uffs nächste Wiedasehn!


2017 © Undine Habermann

Mittwoch, 24. Mai 2017

Bleilochtalsperre

Wie in jedem Verein herrscht auch bei uns ein reges Ein- und Austreten der Mitglieder. Meist durch Studium oder Beruf sind Ruderer gezwungen ihr Revier zu wechseln. Das finden wir sicherlich immer schade, doch birgt es auch neue Möglichkeiten. Als uns Martin verlassen musste fanden wir das extrem schade. Doch wir bleiben in Kontakt und immer wenn es ihn nach Berlin verschlägt kommt er zumindest einmal vorbei um mit uns zu rudern. 
Als wir ihm schöne Bilder von einer unserer Wanderfahrten letztes Jahr schickten lud er uns kurzerhand zu seinem neuen Verein ein. Das Angebot konnten wir nicht ausschlagen.
Lange Rede kurzer Sinn - am 19. Mai saßen Florian, Lars und ich im Auto Richtung Saalburg um die Bleilochtalsperre vom Wasser aus zu besichtigen.
Nachdem das Motto "Stau" sich auf der Autobahn konsequent zeigte kamen auch noch unwetterwertige Winde und sintflutartige Regenfälle hinzu. Aber wir erreichten nach unserer Schleichfahrt auf der Autobahn dennoch unser Ziel.

Als wir das idyllisch gelegene Bootshaus gefunden hatten kehrten wir in die gute Stube ein. Hier saßen schon alle vom Jenaer Kanu- und Ruderverein zusammen und aßen ihr Abendbrot. Wir gesellten uns dazu. Das Eis war schnell gebrochen und wir klönten bis tief in die Nacht.

Am nächsten Morgen dann aufgestanden. Erster Blick aus dem Fenster - ein spiegelglattes sommerliches Gewässer mit leuchtenden Rapsfeldern am Horizont.
Zusammen gefrühstückt und dann schnell die Boote angeriggert.
so steh ich gerne auf ;-)

Mit den Booten Buchhorn und Bayern machten sich 7 Ruderer Richtung Harra auf. Weitere Ruderer gingen auf die kürzerer Umfahrt durch die Buchten. Sie mussten aber auch zeitiger zurück um noch das Lamm für den Abend vorzubereiten.

Derweil waren Flo und ich auf der langen Tour. Durch schöne bergige Landschaften ruderten und beneideten wir die einsam gelegenen Häuschen die sich immer wieder zwischen den Bäumen versteckten. 

Je weiter wir kamen um so mehr musste Sandra, unsere Steuerfrau, auf den Kurs achten. Die „Schlucht“ wurde schmaler und man durfte nicht zu nah den Ufern kommen. Es kann extrem flach sein und das Risiko sich das Boot zu schrotten war hoch.

…immer an unserer Seite…

schon idyllisch

In Harra angekommen wagen wir nicht noch die letzten Kilometer zu rudern weil es doch zu wenig Wasser unterm Kiel zu sein scheint. Wir rudern zurück bis zum Bad Lobensteiner Ruderverein. Dort legen wir an - holen die Boote raus und gehen den Hang hinauf zu einer Gastronomie. 

Gut gestärkt mit Soljanka und Schnitzel setzen wir unsere Rücktour fort.
angelegt

…auf zum futtern

Postkarte gefälligst?


Am Boothaus angekommen begrüßen uns schon die Kinder und Ruderer der anderen Mannschaften. Sie haben bereits seit Stunden das Lamm am Spieß gedreht und gesalbt. Wir bringen schnell das Boot ins Trockene und helfen den Tisch decken.

Den ganzen hungrigen Mäulern serviert „Brostie“ die leckeren Stücken Fleisch. Mit Kuchen, Kaltgetränken und leckeren Salaten ist das ein Festmahl wie es im Buche steht.
Unser Gastgeber

Lekka Lamm…

Ein Traum…

Es wird bis spät in die Nacht geplaudert und Ruderweisheiten getauscht. Wir sitzen um die Feuerschale und man quatscht als würde man sich schon ewig kennen. Die Berliner sind vom Sternenmeer am Himmel geflasht.

Fire

Gemütlich am Feuer…

Geschichten…

Am nächsten Morgen nach leckerem Frühstück geht es erneut aufs Wasser. Diesmal für alle Richtung Talsperre. Leider darf man nicht komplett ran – aus Sicherheitsgründen. Doch zu Wissen das es hinter dem 65 Meter hohen Bauwerk steil abwärts geht ist schon beeindruckend. Der sich dadurch resultierende Stausee ist der vom Fassungsvermögen größte Stausee Deutschlands.

Ich mache natürlich meine obligatorischen Selfies. Danach geht es weiter durch die gefluteten Buchten. Eine schöner als die andere. 

Pollux an der der Talsperre

Wieder am Bootshaus angelegt werden die Reste des Vorabends vernichtet. So ein Lamm hat 'ne ganze Menge an sich dran.

Leider nähert sich damit auch schon das Ende unserer Tour. Die letzten Boote werden verstaut - die Räume geputzt und das Gepäck in den Autos verstaut.

Schweren Herzens verabschieden wir uns und düsen wieder gen Berlin - diesmal zum Glück ohne Staus und Unwetter.

Mit den Jungs und Mädels aus Jena lässt sich auf jeden Fall Pferde stehlen und sicherlich war das nicht unsere letzte Tour zusammen.

1000 Dank für Eure Gastfreundschaft.
Wir kommen wieder ;-)


Helge Kubath © 2017

Mittwoch, 29. März 2017

Erster Ergo-Cup der Ruder-Riege TiB 1848

Irgendwann im letzten Jahr entsprang bei Florian die Idee einen Ergo-Cup zu veranstalten. Aber es fehlte noch ein Highlight. Etwas was die bereits etablierten Wettkämpfe nicht haben. Ein Biathlon . Also Schiessen. Womit. Laser natürlich. Also wurde kurzerhand der erste Ergo-Cup ins Leben gerufen mit der Sonderkategorie des Laser-Ergo-Ruderns.

Flo stürzte sich in die Orga und managte Material, Räume und Preise. Zu Promotionzwecken noch schnell ein Plakat entworfen und kräftig eingeladen. Vorerst noch Vereinsintern (wir müssen ja auch erstmal üben ;-) ) 
unser Plakat mit Udo und Gudrun
Die Jugendgruppe hat sofort Blut geleckt und trainierten auf den Ergo infolge noch härter. Leonard übte das Schiessen mit den Junioren.

Dann war es soweit. Der Tag des Wettkampfes stand an. Es war für Speis und Trank gesorgt. Die Rennleitung, bestehend aus Greta, Stephan, Sven und Florian verteilten die Reglements. An die Wand wurden Ergebnisse und Wettkampfgrafiken projiziert.


die Rennleitung wertet Ergebnisse aus

Während viele vorerst noch ein wenig mit dem Lasergewehr warm werden mussten, bereiteten sich die ersten im Kraftraum auf ihr erstes Rennen vor. Aufwärmen.

Zielen…

…und Treffer.

Mit den 500 Meter Sprints geht es los.

Nacheinander treten jeweils zwei gegeneinander an. Im Hintergrund feuern Eltern und Freunde die Kämpfenden an. Die Gegner gönnten sich alle nichts. Jeder holte das letzte aus sich raus. Mit starrem Blick auf die Rennstrecke an der Wand verfolgten die Fans den Zieleinlauf der Kontrahenten. Wahnsinn. Ich bin von den Zeiten beeindruckt.


ziiiieeehhhhh
Keiner gibt nach…




Die erzielten Ergebnisse werden mit den aktuellen Weltmeistern der Altersgruppen verglichen und die prozentuale Abweichung ermittelt. Daraus ergibt sich der Sieger. 

Anders beim Laser-Ergo-Biathlon. Hier wird abwechselnd 500 Meter gerudert, anschliessend 5 Schuss auf die Zielscheibe usw.. Für jeden Nicht-Treffer gibt es 50 Strafmeter zu rudern. Bei Drei Runden rudern und zweimal Schiessen ergibt sich im schlimmsten Falle ein Strecke von 2000 Metern zu rudern. 
Es ist gar nicht so einfach das Gewehr ruhig zu halten wenn man völlig aus der Puste ist. Noch unwilliger steigt man wieder auf das Ergometer wenn man um seine Strafrunden weiß. Aber da muss man durch. 


and the winner is…

stolz wie Bolle - verdient!

Die Kameraden waren heldenmässig und jeder wurde angefeuert und es wurden Tipps gegeben. Alle haben durchgehalten und die Zeiten können sich sehen lassen.


Es war für alle ein Spaß und nächsten Jahr machen wir das bestimmt wieder - vielleicht dann auch mit mehr Gästen. Fangt schon mal an zu üben!


2017 © Helge Kubath

Mittwoch, 22. März 2017

Die verrückte Reise von Berlin nach Bremen von Keule und Peter

„Nicht all Zuviel“ sagte ich, als mein Ruderkamerad Peter Bock fragte, was ich von einer Rudertour von Berlin nach Bremen halte würde.
Die Erfahrung hatte uns bereits gelehrt, dass es auf dem Mittellandkanal für ein Ruderboot zu haarsträubenden Szenen kommen kann. Weil die Berufsschifffahrt offiziell 12 km/h und die Skippergilde 16 km/h fahren dürfen kommt es manchmal zu gefährlichen Mehrfachbegegnungen auf dem Kanal. Allerdings waren zwei Sahnehäubchen nicht zu verachten. Das waren die Tragbrücke über die Elbe, und die Tragbrücke über die Weser, also sagte ich für die Fahrt zu. Dazu ruderte ich den Iltis (Zweier ohne) von Rauchfangswerder zum Bootshaus der TiB- Oberspree und ließ ihn dort nach vorheriger Absprache mit der TiB über Nacht liegen.

Nachmittags am 12.08.2016 ging es dann los.
Boot rein; Gepäck rein; Proviant rein und noch schnell Getränke rein…
„Der liegt aber tief“ denke ich. Dann stiegen noch zwei weitere Ruderer ein. Donnerwetter - jede noch so kleine Welle fließt ungehindert in das winzige Boot und bis nach Bremen sind es immerhin noch 500 km.
Zum Glück lässt sich Peter überreden bei RV Wiking nochmal anzulegen. Dort wandern meine Getränke vom Heck in den Personalbereich, wo diese in den folgenden Tagen schnell dezimiert werden. Dann erreichten wir unser erstes Tagesziel in Klein-Machnow, wo ich noch ein großes Gepäckstück zurückließ, um dem kleinen Boot mehr Auftrieb zu verleihen. Wir waren Freitag nach Feierabend gestartet, weil wir die ersten Tage etwas in Eile waren, denn Peter hatte durch einen Geniestreich eine Genehmigung zur Überquerung der Elbe-Trogbrücke erhalten. Diese galt zwar nur für Montag den 15.08.2016 - somit galt "Volle Fahrt voraus".

Peter und der ILTIS

Zweiter Tag Plaue. Dort konnten wir telefonisch keinen Quartiermeister finden und schliefen in schönster warmer Sommernacht neben unseren Getränkeresten.
Tag 3: Paddelverein in Burg.
Und dann Tag Vier (Montag): Wir warten vor der Schleuse Hohenwarthe. Diese ist die letzte Barriere vor der Trogbrücke über die Elbe.
„Wir sind angemeldet“ sagt Peter. „ Seid ihr schon mal geschleust?“ fragt der Beamte. „Ja“ sagt Peter. „Wo ist denn Euer Boot? „Es ist das Kleine hinter uns“ .
„Bleiben Sie dran, ich muß mich erkundigen!“



Etwa eine Stunde später dürfen wir als letzte einfahren, aber nicht festmachen. Also trieben wir während der Schleusung hin und her, wobei unsere Position immer mit den Rudern korrigiert wurde. Und dann ging es los. Interessant war es gemeinsam mit Schifffahrt, in dem Fall 7-10 Meter Motoryachten, über die Elbe-Trogbrücke zu fahren. Die Spundwände sind nämlich voll glatt, und der Iltis (unser Boot) hüpfte mit uns wie ein Korken über die immer wieder zurückgeworfenen Wellen.

Fünf Kilometer misst der Kanal mit seiner Brücke. Ein Foto konnten wir nicht machen, denn es ist verboten anzuhalten und wir sind sowieso schon die Langsamsten.
So ging es direkt in den Mittellandkanal und dieser  wurde für einige Tage unsere Heimat. Sollte jetzt jemand denken die Tour wäre langweilig? Hierzu ein paar aufregende Wegdaten: Britzer-Zweigkanal; Teltowkanal; Sacrow-Paretzer-Kanal; Elbe-Havel-Kanal; Roßdorfer-Altkanal; Mittelland-Kanal und letztlich ein halbes Dutzend Schleusenkanäle auf der Weser, welche auch schon mal 10 Kilometer lang sein können.

Der Landdienst (Neffe von Peter) war eigentlich nur zur Rücküberführung des Bootes eingeplant. Nachdem aber seit dem zweiten Tag recht unrühmlich mein Hinterteil schmerzte,  und von den mitgeführten sechs Rollsitzen keiner mehr Abhilfe schaffen konnte, wurde der Landdienst nach Haldesleben gebeten, wo auf dem Kanugelände unser Zelt stand. So erhielten wir zwei Spezialrollsitze die uns von da an etwas Erleichterung verschafften.

Auf den etwa 220 Kilometern die wir den Mittellandkanal befuhren, trafen wir viele Sportfreunde und kurz gesagt, alle Unbekannten und Rudersleute waren hilfsbereit, freundlich und sorgten immer für Übernachtungsmöglichkeiten obwohl wir nie angemeldet waren. Danke an Alle, einschließlich dem Motorbootclub Fallersleben, wo wir schon zum Zweiten mal mit frisch gezapftem Bier versorgt wurden. Und das Gratis!
Auch bei Normanis-Braunschweig gab es Bier von Manfred und Bodo.

Auf dem Kanal sieht man jederzeit mehrere Brücken gleichzeitig. Etliche Flüsse, Bäche und Straßen führen unter ihm hindurch. Peter, der als Einsmann die komplette Strecke von Anfang bis Ende durchstöberte passte auf wie ein Luchs. So halten wir häufig an Buchten oder breiten Stellen an, um einer Begegnung mehrerer Transportschiffe auszuweichen. Irgendwann neigte sich unsere Fahrt zumindest auf dem Mittellandkanal ihrem krönendem Abschluss. Der Trogbrücke von Minden.

Diese ist einfach und ohne irgendwelche Anweisungen oder Genehmigungen  befahrbar. Ja es ergab sich sogar, dass die alte Brücke ausschließlich nur für Ruder- und Paddelboote freigegeben ist, während die Schifffahrt ungehindert über den Trogbrückenneubau fahren kann. Wir konnten uns kaum sattsehen an diesem großartigen Bauwerk.


Also ruderten wir über die alte Trogbrücke, dann über die Neue wieder zurück und wieder über die Alte, an dessen Ende sich der Ruderverein von Minden schmiegt.
Von dort aus erkundeten wir die gesamte Anlage noch einmal zu Fuß. In Sichtweite ging es gleich danach durch die wunderschöne Schachtschleuse von Minden nach unten zur Weser, die wir ja gerne überquert hatten. Für die letzten 150 Kilometer auf der Weser war noch eine knappe Woche übrig, und wir plagten unser Sitzfleisch mit eher kleinen Etappen. In den Rudervereinen Stolzen, Nienburg und Hoya wurden wir kurzfristig und herzlich aufgenommen. Alle genannten Städte haben wundervolle intakte Altstädte und wurden von uns kulinarisch getestet.
Als letzte Übernachtung vor Bremen hatten wir den RV-Achim als Geheimtipp aus dem Ärmel gezaubert. Beim Anlegen in dessen kleiner Bucht, ergab  es sich, dass die Deiche hier im Norden schon recht hoch sind. Die Treppenstufen sahen aus als würden sie direkt ins Walhalla führen, nur etwas steiler als diese. Also fuhren wir noch einen Kilometer weiter und machten beim Segel- und Paddelverein Achim fest. Auch hier steile Wände. Mit letzter Kraft unter Knurren und Murren wird der Iltis auf den Campingplatz geschleppt. Ich stecke mein Flagge ins Heck, damit Jugendliche in Feierlaune nicht mit dem Auto drüberfahren.

Alles geht Gut.
Bei der letzten Etappe liegen wir vor der Weser-Gezeitenschleuse. Rote Ampel. Riesige Freizeitschiffe fahren trotzdem ein. Wir dann auch. „Langsamste Schleuse Deutschlands“ sagt man uns.

Ein älterer Herr im James Bond Look rät mir ihn vorbeizulassen damit uns nichts passiert. Ich rate ihm lieber hinter uns zu bleiben, damit IHM nicht passiert. Irgendwann sind wir durch die Schleuse und rudern in der Augusthitze die letzten vier Kilometer bis zum Bremer Ruderclub-Hansa.
Jetzt haben wir alle Zeit der Welt.

Jedes Brett und jeder Gegenstand wird aus dem Boot genommen. Wir holen einen Wagen. Der völlig leere Iltis wird aus dem Wasser genommen - ist doch gar nicht so schwer.
Im BRC-Hansa treffen bald erste Leute ein. Das Haus beherbergt eine gut funktionierende Wirtschaft. Auch in den beiden Nachbarvereinen ist was los. Es wird gerudert. Irgendwo fehlt ein Ruderer im Achter. Ich verpetze Peter und so muss er im Rennachter eine ordentliche Trainingseinheit absolvieren. Und das in der Gluthitze und den gerade erst geruderten 540 Kilometern. Übrigens - ohne einen Tropfen Regen.
in Bremen angekommen

Der Landdienst kann uns erst am Wochenende abholen, so dass wir noch drei Tage Zeit haben die Stadt Bremen zu erkunden. Auch hier wieder eine überraschend schöne Altstadt. Auffallend viel Fahrradverkehr führt über ein gut ausgebautes etwas verwirrendes Netz von Radwegen. Nach insgesamt zwei Wochen wurde dann am Samstag der Iltis und seine Mannschaft abgeholt. Noch eine Woche später als die Schmerzen nachliessen, konnte ich dann auch sagen „gut das man’s mal gemacht hat“!


2016 © Marian (Keule) Michael

Dienstag, 21. März 2017

Rudern in Faxe - Dänemark 2016

Rudern in Dänemark - Davon erzählen die Grauen immer. Um mich zu überzeugen, ob diese Fahrt wirklich so genial ist, entschließe ich mich, Udo zu begleiten. Fahrtleiter Andreas hatte ich bereits bei der Oder-Umfahrt kennengelernt und er hatte mich eingeladen, diese Erfahrung zu machen.

Ich hole Udo zu Hause ab und wir fahren zum Autoverleih. Mit einem Neunsitzer düsen wir von dort los gen Dänemark. Unterwegs laden wir noch die Oranienburger mit ein.
In Rostock angekommen warten wir auf die Fähre. Das Warten wird aber nicht langweilig, weil es ist Hanse-Sail. Imposant gleiten die Segelschiffe an uns vorbei.
Jetzt geht es auf die Fähre. Also in den Bauch des Riesen gefahren und dann ab aufs Achterdeck, um weiter die coolen Segelschiffe zu bewundern.


Mit zunehmender Entfernung vom Ufer wechseln die Impressionen von Schiffen zu brechenden Wellen. Wir kreuzen die Ostsee und sehen schon bald Dänemark.
Dort abgeladen ist es nur noch eine knappe Stunde bis zum Ziel: Roklubben Viking!

Im gut ausgestatteten Boothaus machten wir es uns nach einem Festschmaus gemütlich. Am nächsten Morgen ab in die Bootshalle und die Inrigger vorbereiten.


Ich komme mit Klaus und Jens in ein Boot. Rettungswesten links und rechts platziert (immerhin geht es auf die Ostsee) und los gehts. An den Kalkfelsen vorbei wollen wir Richtung Sommerhus.

Die Welle bleibt flach - somit kommen wir gut voran. Im flachen Wasser müssen wir gut Obacht geben, auf keinen Findling zu fahren. Von diesen Brocken verbergen sich hier einige, immer knapp unter der Wasseroberfläche sind sie schwer zu entdecken. Unser erfahrener Klaus manövriert uns heldenmäßig durch die Hindernisse. Auf den größeren Findlingen suhlen sich die Seehunde. Die Sonne scheint heut nämlich herrlich.

Am Sommerhus angekommen ziehen wir die Boote durchs Schilf an Land und tragen unser Gepäck zur idyllisch gelegenen Hütte. Hier gibt es mehrere Zimmer mit Betten, eine Veranda und 'nen Grill für das abendliche Klönen.





Nachdem jeder seine Koje bezogen hat, wird abends gefeiert, sich gegenseitig beschnuppert (es kennen sich noch nicht Alle) und reichlich gegessen - Schildkrötensuppe - mmmmhhh lecker.

Bis tief in die Nacht wird gequatscht, musiziert und Anekdoten aus vergangenen Tagen ausgetauscht.
Am nächsten Tag heißt es früh aufstehen - wir wollen Strecke machen.

In selber Bootseinteilung springen wir in die Boote und rudern los. Großes Gelächter aus dem Vierer. Was ist da los. Ein blinder Passagier hat sich an Bord geschmuggelt. Die kleine Feldmaus huscht zwischen den Ruderern entlang und sucht ein sicheres Versteck bis es wieder Land gibt.
 Das kann aber noch dauern. Die Woge ist flach und wird flacher. Bis zu dem Moment wo nichts mehr geht. Wir hören den Grund am Boden des Bootes schleifen.. Es hilft nichts. es ist zu flach. Ich als Steuermann steige aus und ziehe unseren Kahn nun durch die flache Ebene. Ich bin aber nicht alleine - allen geht es so. Am Horizont also mehrere Boote, die gezogen werden. 
Die im Boot Gebliebenen lassen es sich dabei gut gehen und feuern den geplagten Steuermann im Wasser an.












Doch auch diese Plackerei hat ein Ende. Kaum schwimmt der Kahn wieder aus eigenen Kräften, hüpf ich ins Boot und peitsche meine Crew an, die Riemen zu schwingen. Nachdem wir die Bucht verlassen haben, bekommen wir auch merklich mehr Wasser. Die Wellen schlagen hoch. Das Boot fängt an zu tanzen. So hatte ich mir das eigentlich auch vorgestellt. Mit dem aufkommenden Wind wird die Navigation auch schwieriger. Ich zerre am Steuer, um den Kurs halten zu können. 

In die kleine Marina hinter den Reusen wollen wir rein - gar nicht so einfach. Die Wellen wollen in den Kurs miteinbezogen werden. Doch bis auf ein paar Spritzer kommen wir halbwegs trocken in die Anlegestelle, wo wir ausgiebig pausieren.





Irgendwann muss es weitergehen - wenn ich mich recht erinnere, sind wir weitergefahren und auf der Rückseite zurück. (Muss also eine Insel gewesen sein?)
Das Wetter war inzwischen ruhiger und wir konnten bis zum Sommerhus zurück. Hier gab es wieder frisch Gezapftes und Leckeres aus der Region.

Am nächsten Tag hieß es schon Abschied nehmen. Sachen packen, schnell gefrühstückt und wieder Richtung Viking. Auf unserem Rückweg verfolgten uns die Seehunde. Die dachten sich wohl auch, was sind denn das für Spinner - die Sonne scheint doch gar nicht. In der Tat war es heute etwas kühl und windig. Doch es hilft ja nichts, wir müssen zurück, unsere Fähre bekommen.






Doch es ist auch keine Eile geboten. Mit genügend Pausen und den hübschen Seehunden als Begleiter kommen wir am frühen Nachmittag an. 

Boote putzen gehört dazu - versteht sich. Nach einem kurzen Snack im Saal verabschieden sich alle voneinander und hüpfen in die Autos. Zurück zur Fähre - über die Autobahn nach Berlin. 
Ein Kurztrip sagt man - doch für mich war er vollgepackt mit neuen Erfahrungen, Eindrücken und Freunden - fast zu viel für ein Wochenende.


2016 © Helge Kubath